Dauerhafte Haarentfernung nicht nur bei Frauen

Haare, Haaraufbau und BlutgefaesseStark behaarte Menschen schämen sich oft für Ihre Aussehen. Vor allem Frauen leiden unter der krankhaften Variante dem Hirsutismus. Ein komplette Industrie liefert mittlerweile Hilfsmittel von pflanzlichen Mittelchen bis hin zur Entwachsung und dem medizinischen Eingriff. Die Geschichte der dauerhaften Haarentfernung kennt die unterschiedlichsten Methoden. In der Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Elektrokoagulation als zwar schmerz- und narbenreiche, aber auch als effektivste Art, unerwünschte Haare dauerhaft zu entfernen. Die Idee mit Hilfe von Licht dieses immer begehrtere Ziel zu erreichen, brachte die letzten Jahrzehnte verschiedene Laser und Blitzlampen ins Spiel.

Das effektivste und zugleich schonendste Funktionsprinzip ist die selektive Photothermolyse der Haarfollikel. Unselektive Wirkungsweisen erzeugen mehr unerwünschte Nebenwirkungen als die erwünschte Wirkung. Methoden, die vornehmlich den Haarschaft als Ziel haben, taugen natürlich nicht zu einer dauerhaften Lösung des Problems. Andere Ziele, wie zum Beispiel die Follikel- Papillargefäße spielen eine untergeordnete Rolle und bringen lediglich bei sehr hellen Haaren einen (geringeren) Effekt.

Selektive Photothermolyse

Wirkung des Laser

Diese Bezeichnungbeschreibt bereits das Finktionsprinzip: Durch Photonen (Licht) wird ein Ziel selektiv aufgeheizt (thermo-) und dadurch aufgelöst (-lyse) beziehungsweise zerstört und sekundär  vom Organismus aufgelöst (lysiert). Im Falle der dauerhaften Haarentfernung ist die Zielstruktur der Ursprung des Haarwachstums: Das Haarfollikel. Um ganz genau zu sein: Bei der Zerstörung des Haarfollikels / der Papille handelt es sich um eine indirekte selektive Photothermolyse, da das primäre Ziel der Laserenergie der Pigmentsaum um das aktive Follikel / Papille ist.

Anatomie
Im Gesicht und am Körper des Menschen gibt es die unterschiedlichsten Arten von Haaren. Vom Scheitel bis zum Kinn kann man zum Beispiel das Haupthaar (Capilitium), das Flaum- (Vellushaar) die Brauen, Wimpern, Nasen- und Ohrhaare   (3 unterschiedliche Typen), sowie die Barthaare (Terminalhaare) unterscheiden.

Unterschiede ergeben sich auch hinsichtlich der Dicke, Pigmentierung, Struktur, und Wachstums- sowie Entwicklungsphasen. Alle diese Faktoren spielen für  die Behandlung eine Rolle. Die Grundvoraussetzung für  eine effektive, dauerhafte Entfernung von Haaren ist nicht nur der richtige Laser, sondern auch das “richtige” Haar.

Nur während der Wachstumsphase hat das Haarfollikel eine direkte Connection mit dem Pigmentsaum (dem eigentlichen Ziel der Laserenergie). In der Ruhe und Rückbildungsphase trennen sich das primär zu erreichende Ziel (Pigmente) vom eigentlich zu zerstörenden Ziel (Ursprung des Haars = Follikel).

Am besten geeignet sind:

  • dicke Haare - je dicker das Haar, desto mehr Pigmente umgeben das Haarfollikel
  • dunkle Haare - je dunkler die Haare von Natur aus sind, desto mehr Eumelanin- Anteil der Pigmente ist vorhanden, und damit mehr Absorbtionsvolumen für die Laserenergie. Das dunkle Eumelanin eigenet sich besser zur Absorbtion als das hellere Phäomelanin, graue oder weiße Haare haben nur wenige oder keine Pigmente (mehr).Haarfollikel im Querschnitt, hair follicle

In der Wachstumsphase (Anagenphase) mit Follikel - Papille und einer direkten Verbindung zwischen Pigment und Follikel. In heller, ungebräunter Haut - je geringer der Pigmentreichtum der Haut ist, desto geringer ist der Anteil der schon oberflächlich absorbierten Energie. Folglich ist der Effekt in der Tiefe höher und die Rate von Nebenwirkungen auf die Pigmente der Haut geringer. Ein durch UV-Strahlung aktivierter Melanozyt trägt ein vielfaches Risiko geschädigt zu werden als eine passive Pigmentzelle.

Wellenlänge
Die Wirkung eines Lasers wird durch verschiedene physikalische Parameter festgelegt. Wenn die beste Kombination aus höchster Eindringtiefe unter die Hautoberfläche und guter Selektivität für die Zielstruktur gesucht wird, dann ergibt sich ein Wellenlängenband von ca. 750 nm bis 950 nm. Kürzere Wellenlängen (in sichtbaren Wellenlängenspektrum) würden, wegen ihrer geringen Eindringtiefe die Hautoberfläche schädigen, ohne eine ausreichende Tiefenwirkung zu haben. Längere Wellenlängen (fernere Infrarotstrahlung) würde einerseits wegen der hohen Absorption der Energie in Wasser, andererseits wegen der geringeren Absorption in Melanin, unselektiv alles aufheizen, und damit wiederum eine geringere Wirkung und mehr Nebenwirkung haben.

Andere Parameter
Um die Treffsicherheit für die Haare auf der einen Seite und die Schonung der übrigen Haut auf der anderen Seite so weit wie möglich zu optimieren gilt es noch weitere Faktoren zu optimieren.

Impulslänge
Da unsere primäre Zielstruktur und das beabsichtigte Ziel zwar in engem räumlichen Verhältnis stehen aber doch nicht identisch sind, muss man dem Hitzeimpuls, und damit dem Laserimpuls ein bisschen Zeit geben um das Haarfollikel zu durchdringen. Im allgemeinen sollten bei dünnen Haaren 50 - 100 Millisekunden ausreichend sein, je dicker die Haare sind (Barthaare), desto besser liegt man mit 300 - 350 Millisekunden Impulslänge.

Spotdurchmesser
Selbst bei ausgemachten Tiefenlasern gilt der Grundsatz: Je kleiner der Spot (Strahldurchmesser), der auf die Hautoberfläche trifft, desto mehr Energie bleibt an der (Haut-)Oberfläche “hängen” (durch Reflektion, Absorption, Streuung) und desto schneidender wirkt ein Laserstrahl. Schneidend ist in diesem Zusammenhang zwar etwas drastisch ausgedrückt, aber versinnbildlicht die Tendenz, die Hautoberfläche mehr als nötig und beabsichtigt zu gefährden.
Bei den zur Laserepilation eingesetzten Energien ist ab 6-7 mm Spotdurchmesser eine sichere Behandlung möglich.Schichten des Haares

Energiedichte
Bei der Wahl der Energiedichte, die auf die Hautoberfläche appliziert wird, um in der Tiefe der Haut (mehrere Millimeter) den Pigmentsaum um das Haarfollikel mit einer ausreichenden Energie zu erreichen, richtet man sich nach dem Hauttyp, Bräunungstyp und vor allem nach der Haarstruktur und -pigmentierung Die Energiedichte für eine effektive Zerstörung eines Haarfollikels bei der Verwendung einer Wellenlänge um 800nm bei ca. 35 bis 60 J/cm2.

Hautkühlung
Einer der wichtigsten Schutzmechanismen zur Vermeidung von Nebenwirkungen wie z.B. Rötung, Schwellung, Pigmentveränderungen oder Schlimmerem, ist die effektive Simultankühlung der Hautoberfläche.
Durch die konsequente Kühlung vor-, während- und nach dem Laserimpuls kann die Hautoberfläche und damit die pigmenttragende Schicht der Oberhaut kontrolliert unterhalb von potentiell schädigenden Temperaturspitzen gehalten werden. Die Zeiten der Vorkühlung sollte mit ca. 1 Sekunde Kontaktkühlung oder ca. 3-5 Sekunden Luftstrom - Kühlung eingehalten werden.
Bei dunkleren Hauttypen (IV und V nach Fitzpatrick) auf ca. 2 Sekunden Kontaktkühlung mit 0°C. Hauttyp VI nach Fitzpatrick (falls dies zur Laser- Epilation als sinnvoll erachtet wird) für 3 Sekunden mit 0°C (vor-, nach- und) simultaner Kontaktkühlung.
Eine Kontaktkühlung  wird obligatorisch mit farblosem Gel angewandt.

Tabu – Zonen
Grundsätzlich sollten einige Bereiche nicht oder nur mit äußerster Vorsicht mit einem tief eindringenden Lichtstrahl (Tiefenlaser oder IPL!) behandelt werden.

Zu den absoluten Tabu-Zonen zählt die Augenhöhle. Wenn zum Beispiel bei der Behandlung der Augenbrauen nicht sicher ein planer Abschnitt des Os frontale den Laserstrahl reflektieren kann, dann ist die Behandlung nicht sicher!
Daher ist meist der  Oberrand der Augebbraue gut und sicher zu behandeln, der Unterrand aber häufig nicht, oder nur das laterale 1/3, und das nur mit anheben der Stirn-Brauen-Haut!
Ähnlich verhält es sich natürlich mit den Wimpern.
Aus funktioneller Sicht sollten auch die Haare im dem Gehörgang nicht zur Behandlung kommen. Das Erreichen dieser wäre auch schwierig zu bewerkstelligen.

Weblinks:
medicalpicture Bildauswahl zum Thema Haare
Website des Autors Dr. Johannes Lang

Der Autor:
Dr. Johannes Lang, ErlangenDr. med. Johannes Lang
Hauptstrasse 21
D 91083 Erlangen

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